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Grundlage der Museumsbestände bildet die Sammlung von Gertrud Rosemann. Sie umfasste bereits damals die ganze Breite, die auch heute in der Dauerausstellung des Museums zu bestaunen ist: Von A wie Antike bis Z wie Zirkus; von einfachen Holzfiguren über Ton, Wachs, Papiermaché und aufwendig bemaltem Porzellan bis zu modernen Werkstoffen wie Celluloid bildet die Sammlung das große Spektrum menschlicher Abbilder ab. Darüber hinaus gibt es seit 2016 eine Ausweitung der Sammlung auf Spielzeuge, insbesondere aus Blech.

Die Antike

Das Hessische Puppen- und Spielzeugmuseum zeigt in seiner ständigen Ausstellung antikes Spielzeug vom 4. Jh. vor unserer Zeitrechnung bis ins 1. Jh.. Während sich damals die etwa zweijährigen Jungen und Mädchen an Rädertieren in Form von Schafen, Tauben oder Löwen vergnügten, erhielten die älteren Kinder eher "zukunftsweisendes" Spielzeug. Die Jungen bekamen tönerne Soldaten, Hirten mit Tieren oder kleine Fuhrwerke. Soldat, Landbesitzer, Kaufmann, das waren wünschenswerte Karrieren in der antiken Welt. Die Mädchen spielten mit kleinen Haushaltsgeräten, Modepuppen Typ Venus oder Hera oder mit Babypuppen. Einige Spielzeuge waren ursprünglich leuchtend bunt bemalt.


Die Ständische Gesellschaft

"Prinzessinnen" verfügten über kostbare, oft hölzerne Puppen, die sie auf ihre späteren Repräsentationspflichten vorbereiten sollten. Dazu gehörten Spitzenkleider und Schminkkoffer mit Silberausstattung. Der Luxus kannte auch in der Puppenwelt keine Grenzen. Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts beschenkten auch wohlhabende Bürger ihre Kinder mit Spielzeug. Für die Töchter entsprach es allerdings ihren Idealvorstellungen von der "fleißigen Hausfrau": Puppenküchen, Wickelkinder, Waschzubehör. Durch den größeren Abnehmerkreis entstanden u.a. im Erzgebirge und in Südtirol in Heimarbeit die ersten Massenproduktionen von hölzernem Spielzeug.


Die bürgerliche Gesellschaft

Mit der Einführung des mechanischen Webstuhls wandelte sich die Textilherstellung, die Modeindustrie entstand. Es bestand ein Regelwerk von angemessener Bekleidung zu verschiedenen Anlässen, das die Töchter wohlhabender Familien beim Umgang mit Puppen lernen sollten. Es wurden nun Puppen in größeren Stückzahlen mit Köpfen aus Papiermaché oder glasiertem Porzellan - um 1830 meist schwarzhaarige Schönheiten - produziert. Ab 1860 kam das Biskuitporzellan mit seiner leicht rauen Oberfläche in Mode - von nun an hieß es: Blondinen bevorzugt.

Einige Puppen wohnten in kostbaren Puppenhäusern mit Kristallkronleuchter und kostbaren Möbeln, jedoch ohne Badezimmer. Puppenfamilien und das dazugehörige Dienstpersonal bieten Einblick in vergangene, großbürgerliche Lebensumstände. Kaufmannsläden ab 1870 zeigen, welche Funktionen damals die zur Versorgung wichtigen kleinen Läden übernahmen: Güter für den täglichen Bedarf, Delikatessen, Kreditinstitut, Lotterieannahme, Schnellimbiss, Austausch von Informationen.


Mechanische Puppen

Der Mensch ist von jeher fasziniert von künstlicher Bewegung. So ging mit der technischen Entwicklung von Zahnrädern und Antriebsfedern bei den Uhren eine Schaffung von mechanischen Spielzeugen einher. Clownsfiguren, die Musik machen konnten, Puppendamen, die sich die Nase pudern, tanzen und schreiben konnten - alles war möglich.



Japanische Puppen

Ein großer Sammlungsschwerpunkt der Museumsgründerin Getrud Rosemann sind Puppen aus Japan. Seit vielen Jahren wird eine Museumspartnerschaft mit dem Internationalen Spielzeugmuseum Warabekan in Tottori, Japan, gepflegt. Ausstellungen und Schriften, Besuche und Referate über zwei Erdteile hinweg belegen die Lebendigkeit dieser Freundschaft.

Das Warabekan ist eine Einrichtung, die sich dem Spielzeug, den Märchen und den Kinderliedern widmet. Es wurde am 7. Juli 1995 als Reaktion auf den großen Erfolg der "Weltspielzeugausstellung Tottori 1989" eröffnet, an der sich auch das Hessische Puppenmuseum beteiligte. Heute zeigt dieses Museum kunsthandwerkliches und technisches Spielzeug aus aller Welt.